The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel

Trails of Cold Steel - Logo

Ich möchte euch hier zwei Spiele vorstellen, welche für mich 2016 eine Überraschung waren.  Habe nur am Rande mitbekommen, dass „Trails of Cold Steel“ hierzulande bei uns für PS3 und PS Vita erscheint und habe das erst mal auf für „später, vielleicht einmal“ abgetan. Da RPGs doch immer zeitintensiv sind, man doch nie genug Zeit hat und auch viele andere RPGs noch darauf warten endlich mal durchgespielt zu werden. Die Spiele selbst sind auch schon älter und somit ziemlich verspätet bei uns erschienen. Zusätzlich sollte 2016 bei mir endlich das Jahr werden, wo die PS4 Einzug ins heimische Wohnzimmer hält und somit eine weitere Plattform da wäre, auf der man aktuelle RPGs gefunden hätte .
Ein Fehler, wie sich später für mich herausstellte, den ich halte die Trails of Heroes Reihe mittlerweile für eine Perle und einen würdigen Abschluss für die PS3 Ära, sie sind definitiv ein Blick wert, Englischkenntnisse sind aber erforderlich.

Bei einen Einkauf in einem Saturn Markt, mal spontan durch die Spielregale gestreift und dort das Cover für The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel wieder entdeckt. Stimmt das wollten wir doch mal haben und spielen, dachte ich mir. Leider war nur noch eines da, also erst mal eines für Rika mitgenommen. Da wir beide das Spiel spielen wollten, ging nun für mich die Suche nach einem eigenen Exemplar los. Zu meiner eigenen Überraschung war das Spiel mittlerweile nach nur etwa einem halben Jahr nach erscheinen, schon überall annähernd ausverkauft. Nach einer langen Suche gab es ein paar Wochen später, den Glücksfall, es wurde scheinbar nachgelegt und das Spiel gab es zum Glück wieder zu kaufen.

Man mag mich altmodisch nennen, aber gerade bei Spielen wie RPGs, mit denen man viele Stunden unterhaltsame Spielzeit verbringt, habe ich gerne eine physische Version als Disk am Ende immer noch als Erinnerungsstück im Regal, oder gar eine Collectors Edition, sofern es eine gibt.
Zum erneut spielen kommt man wohl dank der Vielzahl an RPGs nicht mehr 😉

Ein paar Spielstunden später hatte mich das Spiel auch schon in seinen Bann gezogen und nicht mehr losgelassen. Gerade rechtzeitig zum Erscheinen des zweiten Teils den Ersten beendet. So das es gleich ohne lästiges Verfügbarkeitsproblem, bedingt durch kleine Auflage, direkt mit dem zweiten weitergehen konnte. Die zwischenzeitlich günstig erworbene PS4 als neue Hauptkonsole, wurde somit nochmals bis zum erscheinen von „Tales of Berseria (PS4)“ von der guten alten PS3 verdrängt.

Die Spiele

Offizieller Trailer bei Youtube:

The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel I

Trails of Cold Steel - PS3 Cover

Genre JRPG
Plattform Playstation 3
Playstation Vita
Release JP: 26.09.2013 (Nihon Falcom)
EU: 29.01.2016 (NIS America)
Sprache Audio: Englisch
Texte: Englisch
Spieler 1 Spieler
USK 12
Entwickler Nihon Falcom
Preis UVP: 39,99 €
Amazon (PS3): EUR 59,99
Amazon (PS Vita): EUR 69,95

Trails of Cold Steel - Rean SchwarzerIhr schlüpft in die Rolle von Rean Schwarzer, im Frühling beginnt dieser als Schüler an der Thors Military Akademie. In diesem Jahrgang gibt es erstmals eine gemischte Klasse die nicht der Trennung zwischen Adeligen und normalen Bürgern folgt, die sogenannte „Class VII“.

Aus der Sicht von Rean Schwarzer folgt ihr dem Schulalltag bestehend aus verschiedenen Aufgaben, welche Rean für den Schülerrat übernimmt, Feldstudien mit seinen Klassenkameraden, sowie den Besuchen innerhalb des seltsamen alten Schulgebäudes.
Ihr eindeckt die dunklen Geheimnisse des Schulgebäudes und lernt im Verlauf eurer Feldstudien die politischen Anspannungen, welche ihr in den Feldstudien in den verschiedenen Orten innerhalb des Reiches Erebonia bemerkt.

Das Kampfsystem ist rundenbasiert, ihr könnt euch entscheiden ob ihr einen Charakter angreifen lasst, eine seiner besonderen Techniken (Crafts) oder einen Zauber (Arts) einsetzen wollt. Auch das nutzen von Items oder das Bewegen auf dem Kampffeld verbrauchen einen Zug. An der Seite gib es einen Vorschaubalken, der euch Auskunft über die Reihenfolge der nächsten Züge gibt. Jedes mal wenn man einen Zug ausführen möchte werden einem auch die Auswirkungen in der Reihenfolge aufgezeigt.

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So kann man gut abschätzen ob man eher einen Angriff oder Zauber ausführt, bevor der Gegner zum Zug kommt. Es ist somit eine taktische Komponente enthalten, in der man den Einsatz seiner Techniken und Zauber abwägt und gezielt versucht die Schwächen der Gegner auszunutzen.

Die Schüler der „Class VII“ sind mit einem experimentellen ARCUS-Kampfsystem ausgestattet.  Sobald die Schüler mehr vertrauen zueinander entwickeln können Sie verschiedene Link-Stufen erreichen.

Trails of Cold Steel - Screenshot 003 Trails of Cold Steel - Screenshot 004

Ab bestimmten Link-Leveln werden so zusätzliche Bonusfähigkeiten freigeschaltet oder zusätzliche Link-Attacken mit denen sich die Charakter untereinander unterstützen. In den sogenannten Bonding-Events, welche besonders viele Punkte für die Bindung der Charaktere bieten, lernt man auch immer wieder neue Seiten an seinen Mitstreitern kennen. Es ist also ratsam sich um die Bindung zwischen den einzelnen Charakteren zu kümmern, das erinnert etwas an die „Social-Links“ aus der Persona-Spielreihe. Im Spielverlauf kann man zusätzlichen Orbs finden, kaufen oder schmieden lassen, damit können die ARCUS-Systeme der Charaktere ausgerüstet und um weitere Fähigkeiten und Zauber  erweitert, oder die Statuswerte verbessert werden.

 Trails of Cold Steel - Screenshot 005 Trails of Cold Steel - Screenshot 002

Wer bestimmte Bedingungen in den Kämpfen erfüllt kann zusätzlich die gesammelten Erfahrungspunkte steigern. Die Erfahrungspunkte sind auch abhängig von dem Unterschied von eurem eigenen Level zu dem Level der Gegner. Wer versucht seine Charaktere zu überleveln, wird schnell feststellen das er irgendwann kaum noch Erfahrungspunkte erhält.

Der Schwierigkeitsgrad ist aber auch ausgeglichen, wer eine neue Gegend ausgiebig erkundet hat, muss sich also nicht noch zusätzlich stundenlang mit leveln in jeder neuen Gegend beschäftigen um voranzukommen.

Die Spielwelt lässt sich nicht frei erkunden, der Spielverlauf unterteilt sich grob in die freien Tage an der Thors Akademie in Trista und die Feldstudien die euch immer wieder in andere Städte führen. Das Konzept mag etwas eintönig wirken, jede Feldstudie führt euch allerdings immer wieder in neue Orte wo es neben dem fortführen der Hauptstory auch neue Nebenaufgaben und einiges zu entdecken gibt. Für die jeweiligen Storykapitel ist somit das Areal in dem man sich frei Bewegen kann recht genau abgesteckt. Das passt aber auch stimmig zum Storykonzept, welcher Schüler könnte schon wild während der Schulzeit in der Welt herumreisen?

The Legend of Heroes – Trails of Cold Steel II

Trails of Cold Steel II - PS3 Cover

Genre JRPG
Plattform Playstation 3
Playstation Vita
Release JP: 25.09.2014 (Nihon Falcom)
EU: 11.11.2016 (NIS America)
Sprache Audio: Englisch
Texte: Englisch
Spieler 1 Spieler
USK 12
Entwickler Nihon Falcom
Preis UVP: 39,99 €
Amazon PS3: EUR 59,99
Amazon PS Vita: Hier auf Amazon.de

Auch im zweiten teil schlüpft ihr wieder in die Rolle von Rean Schwarzer, die neue Story knüpft fast nahtlos an die Geschehnisse zum Ende des ersten Teils an. Auch wenn einem der zweite Teil über Rückblicke das nötigste vermittelt um der Story zu folgen, kann der Titel also auch einzeln gespielt werden, so wirkt das ganze natürlich intensiver wenn man die vorherigen Ereignisse auch selbst gespielt hat. Ihr trefft neben den Schülern eurer Klasse, auch viele Charaktere aus dem ersten Teil wieder, welche ihr dort eher nur am Rande kennengelernt hattet.

Trails of Cold Steel II - Screenshot 001  Trails of Cold Steel II - Screenshot 002

Die Story startet recht schnell packend durch, anders als im ersten Teil, sind nun viele der Charaktere bereits bekannt und es wird nicht viel Zeit zum Charakteraufbau und Entwicklung der Spielwelt benötigt. Anders als im ersten Teil startet die Spannung schnell fahrt auf und bringt euch unerwartete Wendungen mit.

Die Spielmechanik folgt dem Vorbild des ersten Teils, wer den ersten gespielt hat kommt also schnell zurecht. Ein paar Anpassungen gibt es aber trotzdem, so erfordern z.B. besondere Orbs ein bestimmtes Slot-Level um in euren ARCUS-System eingesetzt werden zu können. An die Veränderungen passt man sich aber schnell an und ist auch wieder schnell dabei seine Charaktere für die jeweiligen Gegenden optimal ausrüsten zu wollen. Das Kräfteverhältnis zwischen normalen Angriffen und Zaubern wurde neu ausbalanciert, so sind im zweiten Teil Zauber oft stärker, als man es aus dem ersten Teil gewohnt war. Das gilt allerdings nicht nur für euch, sondern auch für die Zauber der Gegner. Anfangs ist das Areal storybedingt ähnlich abgegrenzt wie im Vorgänger, im verlauf könnt ihr euch aber immer freier in der Spielwelt bewegen und könnt, anders als im Vorgänger alte Orte erneut aufsuchen. Manche Aufgaben und Nebenquests erfordern es sogar an bekannte Orte zurückzukehren. Diese Reisefreiheit hätte man sich im ersten Teil öfter gewünscht.

Neben kleinen Minispielen, wie Angeln und Blade-Karten, kann man im zweiten Teil sogar Snowboard fahren.

Trails of Cold Steel II - Screenshot 003  Trails of Cold Steel II - Screenshot 004

New Game Plus

Beide Teile bieten euch einen „New Game+“ Modus, welcher euch verschiedene Boni für einen erneuten Spieldurchgang bietet. Abhängig von der Anzahl der bisherigen Spieldurchläufe erhaltet ihr Punkte und könnt euch so die Boni aussuchen die ihr haben wollt. So könnt ihr z.B. je nach Anzahl eurer Punkte euer Geld, eure Items, verschiedene Kostüme freischalten oder sogar eure bisherigen Charakterlevel mitnehmen. Dies bietet sich z.B. an wenn man den nächsten Durchgang in einem höheren Schwierigkeitsgrad absolvieren möchte.

Technische Umsetzung

Beim Erfolgt der PS4 in der westlichen Welt war ich auch eher Überrascht, dass sich ein Publisher noch traut einen Titel für die PS3 zu veröffentlichen, immerhin sind beide Titel ja eigentlich schon deutlich älter (Teil 1: 2013, Teil 2: 2014). Wir JRPGs Fans sind wohl eine treue Fangemeinde die trotzdem noch für alte Konsolen kauft.
Ich selbst habe die Titel nur auf der PS3, kann zur technischen Umsetzung der PS Vita Version also nichts sagen.

Grafik:
Klar kann man von den beiden Spielen keine Höchstleistung in der Grafik erwarten.  Das alter der Spiele merkt man schon, die PS3 hat ab und an ganz schön zu kämpfen, insbesondere in größeren Städten merkt man die Framedrops und es wird ruckelig. Manche Animationen wirken etwas unbeholfen und ab und an gibt es nerviges flimmern an Kanten oder an Schatten. In dem 1 Jahr jüngeren 2. Teil merkt man in den neuen Gebieten das den Texturen und der Gestaltung mehr Feinschliff verpasst wurde. Die Gestaltung und das Design der Gebäude und Räume wirkt recht eckig.
Wenn man die Spiele nun fairerweise im Kontext ihrer Entwicklungszeit, dem Ende der PS3 Ära, vergleicht, können sie sich aber durchaus mit vergleichbaren Titel messen. Die Spielwelt wartet auch mit liebevoll gestalteten Details auf und kann so insgesamt trotzdem überzeugen.

Trails of Cold Steel II - Screenshot 005 Trails of Cold Steel II - Screenshot 006

Sound:
Ich habe keinen Vergleich zu den japanischen Originalstimmen, die englischen Synchronsprecher wirken jedoch passend zu den jeweiligen Charakteren. Im zweiten Teil sind mehr Szenen mit Sprachausgabe vertont, aber auch hier bleiben leider seltsam Lücken wo einzelne Szenen nur teilweise vertont sind. Das wirkt manchmal etwas seltsam wenn Rean z.B. den einen Satz spricht und später in der selben Szene seine Aussage nur noch als Untertitel zu lesen ist. Die Soundeffekte sind passend und fallen beim längeren spielen auch nicht negativ durch Wiederholungen auf.

Soundtrack:
Hier wurde sehr gute Arbeit geleistet, der Soundtrack ist immer stimmig und einprägsam zu der gerade herrschenden Atmosphäre, auch die Tracks zu den jeweiligen Regionen und Städten sind passend. Für den zweiten Teil wurden viele bekannte Stücke neu aufbereitet und natürlich sind auch neue Tracks mit dabei, welche qualitativ dem ersten Teil in nichts nachstehen.

Auch wenn sich der eine oder andere Track mal wiederholt, mir wurde der Soundtrack nie langweilig und für mich waren ein paar schöne Tracks dabei. Der Soundtrack ist neben der Story und angenehmen Spielmechanik sicher eins der Highlights der Reihe und alles zusammen lässt einen über eventuelle grafische Patzer hinwegsehen.

Fazit

Der erste Teil ist etwas langsam und langatmig bis sich die Story aufbaut, jedoch  wird man mit diversen Nebenquests auch immer wieder mit neuen Details über seine Mitstreiter oder mit weiteren Hintergrundinfos über die Spielwelt belohnt und die Spannung nimmt dann doch fahrt auf. Wer viel Freude an kleinen Details und den NPCs hat, wird auf jeden Fall viel zu erkunden haben. Die NPCs der Spielwelt haben in den einzelnen Kapiteln auch immer wieder etwas neues zu erzählen und tragen mit ihren eigenen individuellen Sorgen und Nöten zu einer stimmigen und großen Spielwelt bei. In mehreren Kapiteln kann man also nicht nur die Hauptstory durchleben, sondern es wird der gesamten Spielwelt auch ein ganz eigener Charme vermittelt. Der zweite Teil schließt fast nahtlos an den ersten an, man wird einige Orte wiedererkennen, aber die Story führt einen auch an viele neue Orte und Orte die man im ersten Teil gar nicht erkunden durfte. Da der erste Teil bereits viel Vorgeschichte aufgebaut hat, kommt hier auch wieder schnell Spannung auf. Der Storyaufbau ist anders als im ersten Teil und die Spielmechanik wurde auch angepasst, so dass einem das Spielkonzept nicht langweilig wird, selbst wenn man beide Teile direkt hintereinander weg spielt. Ganz im Gegenteil, durch die zusammenhänge Story wirkt die Spielwelt noch viel umfangreicher und die Story intensiver.

Trails of Cold Steel - Alisa ReinfordWer ein Freund japanischer Rollenspiele ist, sollte sich daher die beiden Trails of Cold Steel Teile nicht entgehen lassen. Es erwarten ein pro Titel etwa 40-50 Stunden für die Hauptstory. Wer gerne durch die Gegend streift, levelt und Items sammelt, jede optionale Nebenquest mit nimmt und alles erkunden und erledigen möchte, wird eher mit 80+ Stunden (pro Teil) an Spielspaß belohnt werden.

Ich bin ohne Vorwissen in die „The Legend of Heroes“-Reihe mit Trails of Cold Steel eingestiegen. Sollten alle Spiele dieser Reihe so sein, dann habe ich doch einiges verpasst. Wie am Anfang bereits erwähnt, war Trails of Cold Steel ein Titel der für mich, trotz seines Alters und seiner grafischen Schwächen, ein Überraschungserfolg war und schnell in seinen Bann gezogen hat.
Ein dritter Teil für Trails of Cold Steel ist in Japan bereits in Entwicklung (PS4) und sollten noch weitere Spiele der „The Legend of Heroes“ Reihe hierzulande erscheinen, so sind sie meiner Meinung nach, definitiv ein Blick wert. Die Grafik schwächelt etwas, sonst ein super JRPG.

Links

Wer eine Disc- oder Modulversion bevorzugt muss sich leider etwas auf die Suche begeben und umschauen, die Verfügbarkeit der Spiele schwankt immer mal wieder, scheint doch eher eine etwas kleinere Auflage zu haben.

Erhältlich, je nach Verfügbarkeit z.B. bei Amazon.de:

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel PS3
The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel Vita

The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel II PS3
The Legend of Heroes - Trails of Cold Steel II Vita